Eine der großartigsten Entwicklungen in unserem Verständnis des Gehirns in den letzten zwei Jahrzehnten ist die Entdeckung von sogenannter Neuroplastizität. „Neuro“ heißt Gehirn und „Plastizität“ steht für Veränderbarkeit. In anderen Worten, Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Dein Gehirn wie ein nie endendes Tetris-Spiel funktioniert, welches dauernd neue Wege, basierend auf Deinen Erfahrungen, erstellt.

Um zu erklären wie es funktioniert, haben Gehirnforscher ein Sprichwort:

Neurons that fire together, wire together.

(Neuronen die gemeinsam schießen, verkabeln sich)

Falls Du Dich wunderst, was eine Neurone ist und wieso sie schießen, ist hier eine kurze Erklärung: Eine Neurone ist eine Gehirnzelle, und wenn Gehirnzellen gleichzeitig aktiviert werden, durch etwas, was Du siehst, hörst, riechst, oder was auch immer, schütten sie Chemikalien aus, die helfen, die Verbindung zwischen diesen Neuronen zu verstärken. Zum Beispiel, wenn Du etwas leckeres isst, schüttet Dein Gehirn Dopamin aus, eine Chemikalie, die Dich gut fühlen lässt. Oder, wenn Du Dich mit jemandem triffst, Den du magst, schüttet Dein Gehirn eine Chemikalie namens Oxytocin aus, die Dir hilft, Dich mit Leuten zu verbinden. Du hast diese Art von Gehirnverbindungen für alle möglichen Dinge: Fahrrad fahren, Burger essen, mit dem Hund gehen, und vielem mehr.

Und wenn eine Person Pornographie schaut, erschafft dessen Gehirn auch dafür neue Verbindungen. Genau wie andere süchtig machende Substanzen, überflutet Pornographie Dein Gehirn mit Dopamin. Aber sobald das Gehirn von der Überladung von Chemikalien überwältigt wird, die mit Pornographiekonsum entsteht, kämpft es dagegen an, indem es ein paar der Dopamin-Rezeptoren entfernt – welche wie kleine Empfänger des Dopamins agieren. Mit weniger Rezeptoren kann der Konsument, selbst wenn die gleiche Menge an Dopamin, als Reaktion auf Pornographie ausggeschüttet wird, die Wirkung von Dopamin nicht mehr so stark wahrnehmen. Dies führt dazu, dass die Pornographie, die er schaut nicht mehr ganz so erregend und aufregend scheint, und viele Pornographiekonsumenten suchen deshalb nach immer mehr und stärkeren Versionen von Pornographie, um den gewünschten „Kick“ zu erzielen.

Sobald sich das Gehirn eines regelmäßigen Pornographiekonsumenten an die neuen Mengen von Dopamin, durch die es strömt, gewöhnt hat, scheinen normale Aktivitäten, die normalerweise einen Strom von Dopamin freisetzen und den Konsumenten glücklich machen würden, nicht mehr stark genug, um registriert zu werden. Dies führt dazu, dass der Konsument sich oft erniedrigt oder schnell gelangweilt fühlt, wenn er eine Weile ohne Pornographie auskommen muss. Das ist einer der Gründe, wieso Pornographie süchtig macht. Sobald eine Sucht einsetzt, hat der Konsument eine ganz neue Menge an Problemen, denn eine Sucht schädigt den Teil des Gehirns, der Dir hilft, Sachen zu durchdenken und gute Entscheidungen zu treffen.

Seit über zehn Jahren haben Studien gezeigt, dass Drogensüchte den „Frontlappen“ des Gehirns zum schrumpfen bringen. Während Frontlappen sehr technisch klingt, ist es im Grunde der Teil des Gehirns, der logische Problemlösungen und das Treffen von Entscheidungen kontrolliert. Aber neueste Studien haben auch gezeigt, dass nicht nur Drogen die Art von Schaden hervorruft – diese gleichen Probleme zeigten sich mit anderen Arten von Süchten, wie Esssüchte, Internetsüchte oder sogar sexueller Nötigung. Und hier ist der erschreckende Teil: Je mehr Pornographie eine Person schaut, desto stärker wird der Schaden im Gehirn und desto schwerer ist es, aus dieser Sucht auszubrechen.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Neuroplastizität funktioniert in beide Richtungen. Das heißt, dass der Schaden im Gehirn wieder gut gemacht werden kann, sobald die Person weg von dieser ungesunden Gewohnheit kommt.

Pornographie


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Quellen:  Doidge, N. (2007). The Brain That Changes Itself. New York: Penguin Books

Bostwick, J. M. and Bucci, J. E. (2008). Internet Sex Addiction Treated with Naltrexone. Mayo Clinic Proceedings

Hilton, D. L., and Watts, C. (2011). Pornography Addiction: A Neuroscience Perspective. Surgical Neurology International

Schneiderman, I., Zagoory-Sharon, O., Leckman, J., and Feldman, R. (2012). Oxytocin During the Initial Stages of Romantic Attachment: Relations to Couples’ Interactive Reciprocity. Psychoneuroendocrinology