Bloglegion

der aufklärende Fitnessblog

Allgemein / Alle Kategorien, Fitness, Gesellschaft, Lifestyle

Fitness ist nur noch ein unschuldiger Porno?

Die These: Fitness macht oberflächlich. Ein kritischer Artikel, der zum Nachdenken anregen soll. 

„Da sieht man das Fitnessgirl mit ihrem Sport-BH und dem extrem knappen Höschen. Oder das Oberteil ist durchsichtig und die (gespritzten) Brüste sind deutlich sichtbar.
Und eigentlich hat sie gar kein Höschen an, denn sie zeigt nur ihren nackten, durchtrainierten Po in die Kamera.“


„Sein Kopf platzt gleich, weil er verkrampft versucht, seinen Six-Pack anzuspannen. Danach wird beim Bankdrücken erstmal gezeigt, was der eindrucksvolle Körper so drückt. Oberkörper ist dabei natürlich frei.“

Und das ist völlig normal, denn sie leben halt den Fitness-Lifestyle und möchten andere mit ihren Körpern und ihren Fortschritten inspirieren, auch mit diesem Lebensstil anzufangen.

oberflächlich

Hintern auf Knopfdruck.

Fast täglich kann man die Squats-Videos sehen – auf Facebook, Snapchat und Instagram: Ein attraktiver Hintern hebt und senkt sich in einer engen Yoga-Pant. Aber das gehört selbstverständlich zum Fitness-Lifestyle dazu.
Sucht man den Hashtag #Squats bei Instagram, so wird einem klar, dass das doch eigentlich nichts mehr mit Fitness zu tun haben kann? String-Tangas, High-Heels, welche den Körper erst recht in Position rücken, oder auch gar keine Unterwäsche…Bitte was hat das noch mit dem Ziel zu tun, seinem Körper etwas Gutes und Gesundes zu gönnen? Oder sich an seine eigenen Grenzen zu pushen? Was hilft da eine Michelle Lewin oder eine Paige Hathaway oder ein Jeff Seid?

Wo kommt auf einmal der Gedanke her?..

  • ..dass Oberflächlichkeit (nicht nur gegenüber Frauen) auch in der Welt von Fitness in Ordnung geht?
    Heutzutage, wo Fitness jedem ein Begriff ist, ist der Gedanke, dass man halt gut und sexy und stark aussehen muss, extrem weit verbreitet.
    Du möchtest als Mann eine attraktive Freundin? Der Fitness-Lifestyle zeigt auf, dass Du nur eine solche Person bekommen kannst, wenn Du mindestens genauso attraktiv aussiehst:
  • Hat sie eine schöne Figur, dann brauchst Du ein Sixpack.
  • Hat sie große Brüste, dann brauchst Du ein breites Kreuz.
  • Hast Du ein Sixpack, sind alle Frauen, die keine Squats machen, von vornherein nicht attraktiv genug für Dich.

„Du hast ja schließlich nicht so viel Energie im Fitnessstudio für Dein Aussehen aufgewendet, damit Deine Freundin vom Aussehen her nur „durchschnittlich“ ist.“

Seit wann spielen Begriffe wie Humor, Zuverlässigkeit oder Geduld keine Rolle mehr, wie man einen Menschen sieht? Warum lassen wir überhaupt zu, dass ein Lifestyle, der eigentlich gesund für den Körper ist, uns total oberflächlich macht, die Menschen um uns herum hässlich macht?

Seit wann ist es OK, dass man verschiedene Hintern nach ihrer Geilheit sortiert?
  • Seitdem Fitness ein Mittel dafür ist, Oberflächlichkeit und Sexismus zu legitimieren!
  • Seitdem Fitness die Ausrede geworden ist, sich attraktive Körper anzusehen und sie zu bewerten.

Eine Frau, die kein Sport macht und trotzdem hübsch ist, die gibt es nicht. Und ein Mann ohne Six-Pack? Ich bitte Dich, sollen meine Kinder später dick werden? Mal ganz übertrieben formuliert.

Ein anderer Blickwinkel.

Dieser Text soll keine Kritik an fitnessverliebten Leuten sein, sondern eher die Möglichkeit eröffnen, das Thema Fitness auch mal aus einer anderen Sicht zu sehen.
Schließlich ist es für viele Sporttreibende interessant, wie ihre Vorbilder gerade den Fitness-Lifestyle leben. Diese Vorbilder haben eben auch sehr viele Jahre darauf hingearbeitet, um an einem solchen Punkt zu stehen, wo sie jetzt stehen. Eine solche Leistung ist definitiv nicht zu missachten und ich ziehe vor jedem einzelnen Menschen den Hut, die die Kraft und Motivation haben, dieses anspruchsvolle Hobby auf professioneller Ebene durchzuziehen.
Und dennoch kommt man nicht um den Fakt herum, dass beispielsweise Motivations- und Fitnessseiten in den sozialen Netzwerken hauptsächlich mit sexuell-anspielenden Inhalten arbeiten.

Und wo ist das Problem?..

..an Inhalten, wo Menschen sich noch nicht mal komplett nackt zeigen?
Ganz einfach – der Betrachter achtet nicht auf die harte Arbeit dieser Menschen, die sie im Fitnessstudio investiert haben. Er sieht einfach nur Objekte, die in verschiedenen Geilheitsgraden kategorisiert werden. Vielleicht nicht immer, aber häufig.

Aber das muss ja nicht heißen, dass alles, was attraktiv aussieht, sofort oberflächlich macht!

Man muss eben abgrenzen und vielleicht muss man dabei auch sich selbst fragen: Gefällt mir das Foto einer erfolgreichen, sportlichen Person, weil mich die harte Arbeit, die hinter dem Foto steckt, motiviert? Oder finde ich lediglich den Körper geil, den dieser Lifestyle geformt hat?
Bestimmt ist es immer ein bisschen von Beidem.
Aber man sollte halt aufpassen, dass man NICHT versucht, der Welt mit einem attraktiven Körper zu gefallen, nur weil die McFit-Werbung einem das vormacht…

  1. Das ist ein ziemlich wichtiger Beitrag. Ich hab ihn schon an ein paar Freunde weitergeleitet, die auch wie ich in dem Bereich arbeiten. Ich bin seit 4 Jahren Fitness Trainer und teste nebenher beruflich Proteinpulver und schreibe Erfahrungsberichte. Da kann es schon mal sein, wenn der Beruf gleichzeitig dein Hobby ist, dass es ein übergriffiger teil deines Lebens wird und man eventuell kurz verlernt, dass es um das gegenseitige Motivieren und die Fitness geht und nicht um eine Art Wettbewerb. Das ist so wichtig – trotzdem vergessen es viele.
    Ich versuche, genau das meinen Klienten auch immer zu sagen: Es geht um Gesundheit. Und vor allem: Um das Selbstwertgefühl und das eigene individuelle Körperempfinden, unabhängig von anderen Meinungen und Projektionen. Genau das soll doch eben ausgehebelt werden.
    Eigentlich ein Prinzip, das man auch auf Glück anwenden kann.

    danke dir, ich werde auf jeden Fall weiterlesen und dir folgen!

    • bloglegion.de

      Ganz wichtiger und toller Kommentar von Dir! Danke, dass Du das mal geschrieben hast, dass es eben um die Gesundheit und die diesbezügliche Motivation geht und nicht um einen Schönheitswettbewerb und das Erhaschen von Aufmerksamkeit.

      Sportliche Grüße, Julius

  2. Gut getroffen!
    Ich selber habe jahrelang Kampfsport gemacht, das ist ziemlich unsexy, von der Kleidung mal ganz zu schweigen, aber man fühlt sich nicht zur Schau gestellt, beim Aufwärmen zum Fechten sieht das schon anders aus, da gibt es keine, die nicht in knappen, engen Hosen oder zumindest Yogathights rumläuft (mal davon abgesehen, wie eng so eine Fechthose sein kann)… eigentlich schade. Und im Fitnessstudio/Lifestyle Bereich wird es immer mehr…gruselig…

    • bloglegion.de

      Danke sehr!
      „Zur Schau gestellt“ ist der Knackpunkt.
      Es ist wahrscheinlich wirklich so, dass es von der Sportart abhängt, wie oberflächlich es zugeht.
      Aber echt coole Sache, dass Du da einen Einblick gewährst – in die Kampfsport-Szenerie.

  3. Sehr guter Artikel! Kannte deinen Blog noch nicht, aber steckt sehr viel Wahres dran. Ich gehöre zwar zu denjenigen, die auch gerne mal ihr Sixpack in die Kamera halten, denke aber, dass das definitiv auch seine Kehrseiten hat. Häufig ist’s halt kein anderer Inhalt mehr als Arsch und Titten.
    Paula
    http://www.laufvernarrt.de

    • bloglegion.de

      Hey!
      Schön, dass Du reflektiert an die Sache herangehst!
      Kehrseiten gibt es überall – Aber Du hast definitiv recht – Fitness heißt auch (leider) Arsch und Titten.

Leave a Reply

*

Theme von Anders Norén